Sanitäter üben in realistischer Umgebung

Staub, Wind, lautes Motorengeräusch und der leichte Geruch von Öl und Kraftstoff liegen in der Luft. Im Minutentakt fliegen Motorräder durch die Luft, immer wieder werden gelbe Fahnen geschwungen. Plötzlich ist alles vorbei, bevor es in ein paar Minuten mit einem neuen Rennstart wieder losgeht. Diese Atmosphäre haben die Sanitäter der BRK Bereitschaft Gunzenhausen mindestens einmal im Jahr bei den Motocross Turnieren des MSC Eichenberg auf der Geländestrecke bei Gräfensteinberg.

 

Viele Sanitätsdienste und Veranstaltungen gehen ohne Verletzte und Unfälle vorüber. Nicht so in diesem Jahr: Ein schwerer Unfall macht den Einsatzkräften zu schaffen – Sogar ein Rettungshubschrauber war im Einsatz! Das junge Team der Rotkreuzler meistert die Herausforderung und übergibt den Patienten dem Rettungsdienst, der den Verunfallten innerhalb der ersten Stunde nach dem Unfall in ein Krankenhaus bringen kann. Diese Stunde ist bei Schwerverletzten elementar, denn damit kann das Überleben des Patienten bestmöglich gesichert werden.

Im Nachhinein wird unter den Sanitätern der Einsatz aufgearbeitet und ein positives Fazit gezogen. Jeder hat sein bestmöglichstes getan! Allerdings wurde festgestellt, dass die Ehrenamtlichen den Ernstfall auf der Strecke noch nie geübt haben. Die Versorgung von Schwerverletzten wird zwar ab und zu behandelt und geübt, allerdings nicht unter so erschwerten Bedingungen, wie sie im unwegsamen Gelände bei Gräfensteinberg vorzufinden ist. Die Strecke ist sehr eng, unübersichtlich und auch sehr gefährlich. Eine besondere Herausforderung stellt die Bergung des Verletzten dar, da er aus dem Gelände über teils steile Hänge herausgetragen werden muss. Hierbei steht das Team unter einem großen Zeitdruck, da wie schon erwähnt, die Zeit eine Schlüsselrolle bei der Versorgung darstellt. Deswegen entschieden sich die Verantwortlichen zeitnah eine realistische Übung anzusetzen. Gleich zwei Wochen nach dem Einsatz konnten die Ehrenamtlichen ihren Plan in die Tat umsetzten.

Die Strecke wurde extra vom Verein für die Mitglieder am Samstagnachmittag gesperrt und so konnten die Einsatzkräfte ungestört und in Ruhe ihr Vorgehen praktisch besprechen und üben. Sie organisierten sich auch zwei Mimen, die mit alter Schutzkleidung kamen, die man, wenn nötig, auch zerschneiden kann. Hierbei zeigte sich schnell, worauf es beim Umgang mit dem Gerät im Gelände ankommt. Zum Beispiel rutscht der Patient auf glatten Oberflächen durch seine spezielle Schutzkleidung sofort den Hang hinunter. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die weitere Bergung der Motorradfahrer ein, bevor die Sanitäter realistisch und unter Zeitmessung verschiedene Unfallszenarien bearbeiten mussten. Als Fazit kann man sagen, dass der Sanitätsdienst den Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes aus der Strecke bergen kann. So wird sichergestellt, dass der Verletzte innerhalb kürzester Zeit in ein Krankenhaus gebracht werden und dort, wenn es notwendig ist, auch operiert werden kann.

Alle Ehrenamtlichen, die an der Übung teilgenommen haben, zeigten sich begeistert über die Möglichkeiten, die allen zur Verfügung stehen. Auch fühlten sich alle sicher, jetzt den Verletzten effektiv und schnell versorgen und bergen zu können. Der Bereitschaftsleiter Paul Pfeifer meinte, dass solche Übungen mehr in den Fokus der Verantwortliche genommen werden müssen. „Wir müssen alle so vorbereiten, dasskeiner Überfordert vor einem schwerverletzten Patienten steht, denn auch für uns Ehrenamtliche ist ein solcher Patient sehr selten und stellt für alle eineExtremsituation dar!“, so der Leiter der Ehrenamtlichen weiter. Da man selten solche Patienten habe, stellt die Vorbereitung und Ausbildung auf solche Ereignisse eine besondere Herausforderung dar. Vor allem die Sensibilisierung ist hier extrem wichtig! Weitere Ausbildungen hat Pfeifer in die Ausbildungsplanung für das kommende Jahr schon aufgenommen.