BRK verrät, woaruf bei einer Rettungsgasse geachtet werden muss

Obwohl die Rettungsgasse schon 1982 in Deutschland eingeführt wurde, zeigen sich viele Autofahrer noch unsicher im Umgang mit Rettungsfahrzeugen. Im Interview erklärt Paul Pfeifer, Bereitschaftsleiter der lokalen Ortsgruppe des Bayerischen Roten Kreuzes, wie man eine Rettungsgasse bildet, denn im Ernstfall können die Rettungskräfte durch die Gasse bis zu vier Minuten Zeit gewinnen und so schneller ihre Patienten erreichen.

1.  Herr Pfeifer, auf was muss ich bei einer Rettungsgasse achten und warum bildet man sie?
Pfeifer: Im Falle eines Unfalls erhöht jede gewonnene Minute die Überlebenschance eines schwerverletzten Patienten um bis zu zehn Prozent – deshalb ist es so immens wichtig, dass eine Rettungsgasse gebildet wird. Ziel der Rettungsgasse ist es natürlich, dass die Rettungssanitäter so schnell wie möglich zum Einsatzort kommen. Als Grundregel lässt sich sagen: Rechts ran fahren und langsamer werden, allerdings eben nicht ruckartig stehen bleiben. Auf zweispurigen Bahnen sollten die Fahrzeuge auf der rechten Bahn so weit rechts wie möglich fahren und die auf der linken Bahn so weit links wie möglich, damit in der Mitte eine Gasse entsteht. Häufig erlebe ich, dass viele Autofahrer auf Blaulicht gar nicht reagieren, aber wir können natürlich auch nicht auf dem Standstreifen fahren, da dieser oft von liegengebliebenen Fahrzeugen genutzt wird.

2.  Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema in unserem Landkreis im Vergleich zu anderen?
Pfeifer: In unserem Landkreis sieht der Einzelne natürlich seltener einen Rettungswagen, weshalb die Unsicherheit hinsichtlich der Rettungsgasse natürlich bis zu einem gewissen Punkt verständlich ist, da die Routine fehlt. Je größer die Stadt ist, desto erfahrener ist natürlich der Fahrer, da im Straßenverkehr auch mehr Rettungssanitäter unterwegs sind.

3. Wann wird das Blaulicht und das Martinshorn überhaupt angeschaltet?
Pfeifer: Blaulicht und Martinshorn nutzen wir nur, wenn es notwendig ist wie bei Herzinfarkten und Schlaganfällen – bei einem Krankentransport aber natürlich nicht. Als Sanitäter wissen wir jedoch oft nicht, wie schwerwiegend der Fall ist, weshalb eine Rettungsgasse um so wichtiger ist, um rechtzeitig beim Patienten zu sein.

Nächsten Monat lesen Sie: Absetzen eines Notrufes

Text: Christina Holzinger (freie Journalistin)