BRK verrät, worauf bei einem Schlaganfall geachtet werden muss

Durchschnittlich ereignen sich täglich 540 Schlaganfälle in Deutschland und nach wie vor zählt der Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen – obwohl er gut behandelbar wäre, wenn man ihn rechtzeitig diagnostiziert. Paul Pfeifer, Bereitschaftsleiter des lokalen Ortsverbandes des Bayerischen Roten Kreuz, erklärt, wie man einen Schlaganfall erkennt und wie er behandelt wird.


1. Herr Pfeifer, wie erkennt man einen Schlaganfall bei sich oder bei anderen und wie sollte man darauf reagieren?
Pfeifer: Grundsätzlich erkennt man den Schlaganfall an einer Halbseitenschwäche: Betroffene können dann oft ihren Arm nicht mehr heben, haben einen hängenden Mundwinkel und eine verwaschene Sprache. Oft hat der Patient Probleme beim Laufen oder sogar Atemprobleme. Als Laie kann man einen Schlaganfall an folgenden drei Fragen gut erkennen: Kann der Betroffene ein gleichmäßiges Lächeln formen? Kann er beide Arme mit den Handflächen nach oben gleichmäßig in die Höhe halten? Kann er außerdem einen einfachen Satz nachsprechen?
Diese Fragen sind Teil des sogenannten FAST-Testes – dabei steht das F für Face – dem englischen Wort für Gesicht, A für Arme, S für Sprache und T für Time, also Zeit. Denn nur in einem Zeitfenster von  drei bis vier Stunden ab dem Moment des Schlaganfalls bis zur Behandlung – nachdem im Krankenhaus Aufnahmen vom Gehirn gemacht wurden – kann der Schlaganfall noch erfolgreich behandelt werden. Nach dem verstreichen des Zeitfensters wird im Krankenhaus dann zwar dennoch das Blutgerinnsel aufgelöst, doch in vielen Fällen ist dann aufgrund der fehlenden Durchblutung das Gehirn schon zu schwer geschädigt und teils massive Folgeschäden treten zu Tage.

2. Was passiert während eines Schlaganfalls im Gehirn?
Pfeifer: Ein Schlaganfall kann zweierlei Ursachen haben: Entweder liegt ihm eine Hirnblutung zugrunde oder – wie beim Herzinfarkt – eine verstopfte Arterie. Dadurch kann ein Teilbereichs des Gehirns nicht mehr durchblutet werden und es beginnt, abzusterben. Wichtig dabei ist allerdings zu bedenken, dass es natürlich verschiedene Schweregrade bei einem Schlaganfall geben kann – je nachdem, welches Gehirnareal eben betroffen ist: Immer wieder sehen wir Schlaganfälle, bei denen die Betroffenen nur einen Arm nicht voll benutzen können, dann gibt es aber auch wiederum Schlaganfälle, die so schwerwiegend sind, dass der Betroffene nicht einmal mehr laufen oder reden kann.

3. Wie sehen die Zukunftsprognosen nach einem Schlaganfall aus?
Pfeifer: Es gibt natürlich Schlaganfälle, bei denen das Gehirn in der Lage ist, durch neue Blutbahnen um das verstopfte Gefäß zu bilden – in vielen solcher Fälle merkt der Betroffene nichts davon. Die Regel ist aber: Wenn der Schlaganfall innerhalb der maximal vier Stunden nicht behandelt wird, bleibt die einseitige Lähmung dann trotz Behandlung bestehen und oft wird der Betroffene dann zu einem Pflegefall. Deshalb ist es sehr wichtig, umgehend die 112 zu alarmieren, sobald eine Halbseitenschwäche auftritt.

Nächsten Monat lesen Sie: Erste Hilfe beim Autounfall

Text: Christina Holzinger (freie Journalistin)